Vom Trolley-Experiment zur Lebenswirklichkeit: Der Teddybär Mohammed

22/01/2008

Steven Pinker wirft die Frage auf, ob der religiöse Hintergrund eines Menschen Einfluss auf die Beantwortung moralischer Fragen hat und erweitert das Trolley-Experiment:

Der führerlose Straßenbahnwagen rollt auf einen auf den Gleiskörper stehenden Lehrer zu. Durch umstellen der Weiche könnte das Fahrzeug auf ein unbesetztes Gleis gelenkt werden und niemand würde verletzt oder getötet. Jedoch: Beim Umstellen der Weiche würde ein Signal ausgesendet, dass es einer Schulklasse mit sechsjährigen Schülern erlauben würde, einem Teddybär den Namen Mohammed zu geben.

Ist es erlaubt, die Weiche umzustellen?

Das ist kein Witz. Und der Sacherhalt ist gar nicht so theoretisch, wie er scheint. Im vergangenen Monat erlaubte eine britische Lehrerin in einer Privatschule im Sudan ihrer Klasse einen Teddybär Mohammed zu nennen. Sie wurde wegen Gotteslästerung ins Gefängnis gesteckt und es drohte ihr eine öffentliche Auspeitschung. Die Volksmenge vor dem Gefängnis verlangte, sie zu töten.

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Wider die Vernunft - Das Trolley-Problem

20/01/2008

Steven Pinker führt in seinem Aufsatz mehrere Beispiele, die auf den Psychologen Jonathan Haidt zurück gehen, auf, die zeigen, wie moralische Instinkte die besonnene und vernünftige Beurteilung verschiedener Sachverhalte verhindern. Hier eines dieser Beispiele:

Julie macht während der Semesterferien gemeinsam mit ihrem Bruder Mark in Frankreich Urlaub. Eines Abends meinen sie, dass es sicher Spaß machen würde und interessant wäre, miteinander Sex zu haben. Julie nimmt schon sei geraumer Zeit die Anti-Baby-Pille und Mark benutzt, zur Sicherheit, zusätzlich ein Kondom. Beide genießen den Sex, beschließen aber, es nicht zu wiederholen. Sie behandeln das Erlebnis als ihr besonderes Geheimnis, dass das Gefühl ihrer Verbundenheit verstärken soll.

War es in Ordnung, dass sie miteinander Sex hatten?

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Ohne Strafe keine Moral

19/01/2008

Im Grunde genommen könnten einem vernünftig denkenden Menschen die moralischen Auffassungen seiner Mitmenschen gleichgültig sein. So wie jeder nach seinem Glauben glücklich werden mag, soll doch auch jeder nach seinen moralischen Ansichten (die in der Regel eng mit Glaubensauffassungen verbunden sind) sein Leben führen.

Nun ist es aber so, Steven Pinker macht in seinem Aufsatz darauf aufmerksam, das Moralauffassungen häufig eine universelle Geltung beigemessen wird. Hält man eine Regel wie ‘einen Menschen zu töten ist falsch’ für essentiell für das menschliche Zusammenleben, bedeutet das, dass alle Menschen diese Regel zu akzeptieren und Konsequenzen für ihr Verhalten daraus zu ziehen haben. Konkret: Ich töte keine anderen Menschen und von anderen erwarte ich, dass sie es ebenfalls nicht tun.

Wer nun allerdings glaubt, damit sei das erste Element eines weltumfassenden moralischen Verhalteskodexes gefunden, der irrt. Wie noch zu zeigen sein wird, sind die Moralisten höchst unterschiedlicher Auffassung darüber, ob es falsch ist, einen Menschen zu töten. Aber auch bei vernünftiger Betrachtung stellt sich heraus, dass es eine unumstößliche Regel, die das Töten von Menschen verbietet, nicht geben kann.

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Mutter Teresa, Bill Gates, Norman Borlaug: Bewundernswerte Menschen?

16/01/2008

Am 13. Januar 2008 hat die New York Times einen Aufsatz mit dem Titel ‘The Moral Instinkt’ von Steven Pinker, Johnstone Family Professor of Psychology at Harvard University, veröffentlicht.

Heute und in den nächsten Tagen greife ich einige Überlegungen Pinkers auf.

Zu Beginn seiner Ausführungen stellt Steven Pinker die Frage, welcher der drei nachfolgend genannten Menschen der bewundernswerteste sei: Mutter Teresa, Bill Gates oder Norman Borlaug? Und er fragt weiter, welcher dieser drei Menschen der an wenigsten bewundernswerteste sei.

Für viele Menschen, so konstatiert Pinker, scheint es darauf eine einfache Antwort zu geben. Mutter Teresa, berühmt durch ihre Tätigkeit in Kalkutta, Friedensnobelpreisträgerin, durch den Vatikan selig gesprochen, hat in einer us-amerikanischen Umfrage den Rang der meistbewunderten Person des zwanzigsten Jahrhunderts erreicht. Bill Gates findet sich am anderen Ende der Skala wieder und Websites wie ‘I Hate Gates’ sprechen Bände. Aber wer ist Norman Borlaug?

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