Smegma
“Schwule Männer haben’s besser” titelt die Welt und haut, mit Verlaub, mächtig auf die Kacke.
Sie bewundern und beneiden das Leben homosexueller Männer: Für immer mehr Heterosexuelle haben Schwule eine Vorbildfunktion
heißt es in dem Artikel.
Sie sind Lebemänner - zu finden in allen Metropolen der Welt, in teuren Mietwohnungen oder auf Rockkonzertbühnen. Im Londoner Luxuskaufhaus Harvey Nichols gehen sie zielstrebig auf das Regal mit den knallengen Röhrenjeans zu, und im Nachtklub auf jede halbwegs interessiert aussehende Frau. Sie flirten mit allem und jeder, suchen keine Beziehung, sondern vor allem Vergnügen. Drogen? Vielleicht. Sparen für später? Wozu?
Es ist schwierig, diesen Männern mit ihrem Riesenego im Moment aus dem Weg zu gehen. Sie sind überall. Nur einen Namen hatten sie bislang nicht. Metrosexuell? Zu lasch, zu sehr David Beckham. Gigolo? Zu schmierig.
Das britische Männermagazin “Arena” hat das Phänomen nun endlich betitelt: Diese Herren sind Smegs, kurz für “Straight men who envy gays”, heterosexuelle Männer also, die homosexuelle Männer für ihre Lebensweise beneiden - beziehungsweise für das, was sie dafür halten. Smegs wollen wilden Sex, wechselnde Partner und möglichst wenig Verpflichtungen. All das sind zugegebenermaßen die denkbar größten Homosexuellenklischees.
Smegs???
Trotz intensiver Suche habe ich in dem Sinne, wie es Patrick Strudwick, der Verfasser des Arena-Artikels, auf den sich die Welt bezieht, verwendet, dieses Wort nirgendwo sonst gefunden. Smeg ist landläufig die Kurzform für Smegma. Smegma wiederum wird bei Wikipedia definiert als
eine Transliteration des griechischen Wortes σμήγμα für „Seife“, [und] stellt eine weiße bis hellgelbe Substanz dar, die sich zwischen Vorhaut und Eichel des Penis beim Mann und in den Hautfalten zwischen äußeren und inneren Schamlippen sowie Klitoris bei der Frau bilden kann. Smegma besteht aus Drüsensekret der Talgdrüsen der Haut, abgestorbenen Hautzellen, sowie Urin- und Spermarückständen. [Die dazugehörige Diskussionsseite auf Wikipedia lässt übrigens mal wieder tief blicken.]
OK, es müssen merkwürdige Leute sein, diese Smegs. Weiß jemand, wer sie sind, kennt jemand einen? Ja, die Welt kennt sie alle, naja, zumindest ein paar von ihnen:
Bill und Tom Kaulitz, die Tokio-Hotel-Brüder, Jude Law, aber auch Rocker wie Pete Doherty, der Exfreund von Kate Moss, oder sein ehemaliger Bandkumpel Johnny Borrell, der Ex von Kirsten Dunst. [Anm TGD: Arena nennt David Walliams and Robbie Williams.]
Und die Welt weiß auch, was Smegs machen:
Wenn etwa der schwule Internetblogger Perez Hilton einen Künstler wie den Sänger Mika auf seiner Internetseite lobt, dann laden Zigtausende Smegs dessen Songs auf ihre iPods.
Und sie biedern sich an:
Ein kluger Smeg weiß, wie wertvoll die Anerkennung der Homosexuellen ist. Marketingexperten bezeichnen schließlich nicht ohne Grund Schwule als typische “Early Adopter”, als Konsumvorreiter also. Das Leben als Smeg ist insofern nur die konsequente Weiterentwicklung des metrosexuellen Mannes. Denn während Metrosexuellen der betont maskuline Auftritt nur egal war, sucht der Smeg bewusst die Nähe und Anerkennung der homosexuellen Szene.
Vom Smegma verfolgt…
Nun gut, die Welt weiß auch das Smegs
grundsätzlich [...] gern allein [leben] (was die steigende Anzahl von Einpersonenhaushalten in Deutschland mit erklärt), von der Ehe halten sie nicht viel,
offenbar weil sie glauben, dass das auch bei Schwulen so sei. Dann aber klingt bei der Welt eine interessante Überlegung an:
Aber ist so ein Smeg-Leben nun überhaupt das eines Möchtegern-Schwulen? Stilprägende Homosexuelle wie die Designer Tom Ford oder Marc Jacobs zumindest haben feste Partner, leben beinahe spießig-bürgerlich. Wie gesagt: Schwule setzen die Trends. Die Smegs folgen mit bewunderndem Abstand.
Im Moment zeichnet sich in der ’schwulen Welt’ ein heftiger Trend zur ‘Normalisierung’ (Dauerhafte monogame Beziehung -zumindest als Plan -, Ehe, Kind(er), Scheidung) ab. Wenn das alles so stimmt mit den Smegs, müssten die Katholiken und Evangelikalen, müssten konservative Kreise die vorbezeichnete ’schwule Welt’ nach Kräften unterstützen. Denn, so die Theorie, der drängende Wunsch nach Eheschließung und Kindern wird sich über kurz oder lang auf die Smegs übertragen und die Schwulen wären die Schrittmacher für konservative nicht schwule Lebensentwürfe. Und wahrscheinlich wollen dann alle Bürgermeister werden… Mit folgendem wäre es allerdings vorbei:
Wo Homosexuelle leben, entsteht eine Atmosphäre von Toleranz und Weltoffenheit - und diese Stimmung ist wichtig, um Kreative aus der ganzen Welt anzuziehen. Diese Kreativen wiederum sorgen, egal ob nun schwul oder nacheifernder Smeg, für wirtschaftliches Wachstum. San Francisco, mit rund 14 Prozent schwulen Einwohnern quasi die Welthauptstadt homosexueller Lebensart, nimmt auf Floridas Kreativitätsranking den vordersten Platz ein.
08/05/2008 um 8:25 Uhr nachmittags
a very unfortunate acronym.
09/05/2008 um 10:43 Uhr vormittags
Mmh, und was hat jetzt Florida mit San Francisco zu tun, was bekanntermaßen immer noch in Kalifornien liegt?
09/05/2008 um 11:50 Uhr nachmittags
@ Magic M.
Wow! Markus, gut aufgepasst. Ich hab’s übersehen.
11/05/2008 um 7:37 Uhr vormittags
…hups….bei dieser Abkürzeung (und schnellem Lesen) dachte ich erst an das Zeug unter der Vorhaut…bzw. an ‘Feuchtgebiete’ irgendwie bin ich ‘Feuchtgebiete’ geschädigt …
<>
..und dann kam diese eigenartige Übersetzung heraus…oh man(n) …die Welt wird für einen ‘altenmann’ zu kompliziert !
11/05/2008 um 1:39 Uhr nachmittags
@ altermann_su:
Daran siehst Du, wie wichtig es ist, auf dem Laufenden zu bleiben. Das Wort ‘Ficken’ erhält bestimmt auch noch eine ganz andere Bedeutung.