Die Rosa Liste München in Symbiose mit dem Bounty Killer
Nun hat also eines der angekündigten berüchtigten Bounty Killer Konzerte stattgefunden. In München. Es ist schon bemerkenswert, dass weder die Konzertveranstalter noch die dortigen Behörden ernsthafte Bedenken hatten, jemandem, dem die Bundesregierung die Einreise nach Deutschland untersagt hatte, dieses Einreiseverbot jedoch weder rechtlich noch tatsächlich durchsetzen konnte, ein öffentliches Forum zu geben.
Das Einreiseverbot stammt aus dem Hause von Wolfgang Schäuble, unserem der CDU angehörenden Bundesinnenminster. Offenbar reflexartig sah sich die Rosa Liste München, vertreten durch ihre Spitzenkandidatin der letzten Kommunalwahl, Rita Braatz, genötigt, eine Gegenposition (nicht zum Bounty Killer, zu Schäuble!) einzunehmen.
Meinen Augen nicht trauend lese ich von einer Pressekonferenz, die unmittelbar vor dem Konzert stattfand, in der Rita Braatz dem Konzertveranstaler den Rücken stärkt:
Bounty Killer hat schriftlich versichert, seine schwulen -und lesbenfeindliche Texte nicht aufzuführen. Mit dem Kompromiss konnte ich leben
Ich, liebe Frau Braatz, kann mit diesem Kompromiss nicht leben. Ich kann nicht damit leben, dass kaum ein Monat vergeht, in denen nicht neue gewaltätige, nicht selten tödliche Übergriffe auf schwule Männer aus Jamaika gemeldet werden. Ich kann und will nicht damit Leben, dass ein Hasssänger auf deutschen Bühnen steht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwuler Mann, der in Jamaika nach einem Konzert eines dieser Hasssänger von der Meute gejagt wird, ihrem Kompromiss beitreten würde. Aber es geht ja auch nicht um Ihr Leben, Frau Braatz, Sie sind ja überhaupt nicht betroffen.
Glauben Sie ernsthaft, dieser Bounty Schwachkopf ändert seine Haltung nur wegen dieses fragwürdigen Kompromisses. Seine CDs voller schwulenfeindlicher Texte zieht er nicht aus dem Handel zurück. Und bei nächster Gelegenheit, wenn nicht ein Polizeiaufgebot bereitsteht, wird er wieder seine Hasstexte singen. Aber Sie können gut damit leben. Es betrifft Sie ja nicht. Wissen Sie überhaupt was in Jamaika vor sich geht? Ich helfe gerne beim Schließen ihrer offenkundigen Wissenlücken:
Liebe Frau Braatz, dadurch, dass Sie jemandem wie diesem Bounty Killer, dessen gesamtes sogenanntes künstlerisches Schaffen auf nichts anderem als Schwulenhass aufbaut, den Rücken freihalten, machen Sie sich mit einem geistigen Brandstifter gemein. Falls Sie es nicht wissen, dieser Bounty Killer singt/spricht nicht nur davon, dass er Schwule nicht besonders gut leiden kann. Nein, er ruft zum Mord auf. Indem Sie einem zutiefst homophoben Menschen den Weg auf eine Münchener Bühne geebnet haben, setzen Sie sich selbst dem Verdacht der Homophobie aus. Sie sind allen in den Rücken gefallen, die sich bemüht haben, diese Hassmusik und ihre Interpreten von Deutschland und dem benachbarten Europa fernzuhalten.
30/03/2008 um 4:26 Uhr vormittags
Sehr interessanter Clip! Nach wie vor bleibt mir nur noch ein Kopfschütteln. Besonders für die Veranstalter. Die haben nämlich nicht die gesellschaftlichen Hintergründe und sollten aus einer relativ zuvilisierten Welt kommen.
Frau Braatz sollte sich besser einen vernünftigen Job suchen und Politik denen überlassen, die sich damit auskennen.
30/03/2008 um 10:30 Uhr nachmittags
Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass besonders junge Schwule und auch Bisexuelle die Angriffe auf Schwule nicht ernst nehmen, oder sogar noch herunterspielen. Man wird dann als “heterophob” abqualifiziert….
31/03/2008 um 7:08 Uhr nachmittags
@ René:
Frau Braatz sitzt auch im Orga-Ausschuss für den Münchener CSD. Da wird in diesem Jahr bestimmt Musik aus Jamaika gespielt….
@ Thommen:
Ja, das ist mir auch jüngst passiert, weil mir erlaubt hatte, nicht alles gut zu finden, was nicht schwule Menschen über schwule Menschen sagen oder mit ihnen machen. Es ist verdammt traurig wie sich manche schwule Menschen die Welt schönreden…
01/04/2008 um 5:43 Uhr nachmittags
Bei aller Toleranz und Respekt Homosexuellen oder Lesben gegenüber ist es unerträglich was sie oder LSVD über Dancehallartists verbreiten: Halb- und Unwahrheiten. Dies ähnelt sehr einer “Hexenjagd” alla McCarty (seinezeit in den USA gegen Kommunisten). Von Opfern jamaikanischer Homophobie sind sie längst zu Tätern (Inquisitoren geworden). Leider schaden Homos und Lesben ihrer eigenen Sache durch diese Hetze. Wer von ihnen war denn schon in JA oder versteht Patois? Ihre (Vor)Urteile basieren doch haupsächlich auf Gerüchten und Hören-Sagen. Zu behaupten Bounty`s künstlerische Schaffen bestehe nur aus Hassmusik ist eine riesige Unverschämtheit. Eigentlich könnte man sie doch wegen Verleumdung und Anstachelung zum Rassenhaß (gegen Jamaikaner) anzeigen, so fern sind sie der Realität. Sie überbewerten das Problem der Homophobie absolut. Leider mußte ich meine Akzeptanz gegenüber Homo- und Schwulenvertretern grundsätzlich überdenken. Schade, da ich vor nicht all zu langer Zeit noch an ihrer Seite für ihre Rechte auf sex. Selbstbestimmung gestanden bin. Aber ihre Kampagnen widerstreben meinem Gerechtigkeitgefühl als Kenner jam. Kultur und Lebensweise.
MfG, Seitz
01/04/2008 um 8:52 Uhr nachmittags
@ Stefan Seitz:
Lieber Herr Seitz,
ich nehme an, dass Sie nicht ernsthaft der Ansicht sind, die verschiedentlich geäußerten wohlbegründeten Bedenken gegen die Auftritte von Bounty Killer und Sizzla seien nur ansatzweise mit dem vergleichbar, was in den USA unter McCarthyismus verstanden wird und untrennbar mit dem unsäglichen Handeln des Roy Cohn verbunden ist. Wie sie auf den Gedanken des Rassenhasses kommen, ist nicht nachvollziehbar. Alles was Sie mir vorhalten können, ist dass ich mich auf Fremdquellen stütze, denn tatsächlich war ich noch nie auf Jamaika. Allerdings habe ich keinen Grund, and der Authentizität der von mir in meinen Post genannten Fremdquellen zu zweifeln. Und ich füge gerne noch weitere hinzu:
http://www.bbc.co.uk/1xtra/tx/documentaries/gayinja.shtml
http://news.bbc.co.uk/1/hi/magazine/3653140.stm
http://www.jflag.org/index.shtml
Vor wenigen Wochen hat es von verschiedenen schwul-/lesbischen Organisationen Boykottaufrufe gegen Jamaika gegeben. Insbesondere wurde gefordert, keine Urlaubsreisen mehr nach Jamaika zu unternehmen. Ich habe mich diesem Aufruf nicht angeschlossen, weil ein solcher Boykott pauschal alle Jamaikaner treffen würde. Es geht aber nur um die, die dort und hier auf der Bühnen ihren Hass verbreiten.
Ihrer Auffassung, das ‘Problem der Homophobie’ werde absolut überbewertet vermag mit Blick auf die zahlreich aus Jamaika berichteten Fälle von schwulen Männern, die ermordert wurden, oder nachdem sie von einer Menschenmenge gejagt wurden, spurlos verschwanden, nicht näher zu treten.
Wenn sie tatsächlich mehr und besseres Wissen über Jamaika und die Lebensumstände schwuler Männer dort haben, schreiben sie es auf. Ich bin gerne bereit hier einen Gastbeitrag als Post zu veröffentlichen.
Herzliche Grüße,
TGD
02/04/2008 um 7:21 Uhr nachmittags
Vielen Dank für ihre sachliche Reaktion und die Veröffentlichung meines Kommentares. Diese Reaktion ist nach meiner Erfahrung mit Homo- und Lesbenvertretern ungewöhnlich.
Vielmehr begegnete mir Zensur und offene Anfeindungen. In einer Diskussion mit Schwulen wurde meine jam. Ehefrau als “bitch” und Aids-verseucht bezeichnet, nur weil sie Jamaikanerin ist.
1. Ich lehne Gewalt gegen oder Diskriminierung gewaltloser “Minderheiten” strikt ab.
2. Meine Frau (28 Jahre in JA aufgewachsen) erfuhr erst hier von den Problemen welche Schwule in JA (angeblich) haben.
3. Ich habe JA seit 1997 zehnmal teilw. für mehrere Monate bereist und eigentlich immer fern der Tourigebiete mit und unter Jamaikanern meist der ärmeren Bevölkerungsschicht gelebt; sowohl in Kingston als auch auf dem Land.
4. Ich kenne zwei eigentlich drei Homosexuelle. Diese leben unbehelligt. Man wundert sich, daß m diese nichts mit dem “anderen Geschlecht” anfangen können/wollen. Aber diese werden als Menschen, Nachbarn, Schwester/Bruder behandelt.
5. Nach meinem Eindruck hat das jam. Volk ganz andere Sorgen als sex. Minderheiten nachzustellen. Was hinter verschlossenen Türen stattfindet ist Privatsache. OK, Homosexuelle gelten als “funny” . Auch heterosexuelle Paare sieht man im Alltag kaum oder nicht. Wenn dann Homosexuelle ihre Neigung in der Öffentlichkeit zeigen, gilt dies als Provokation und das Fass läuft über. Ein Bsp. : Bei uns ist ein Kiffer sehr dumm, wenn er vor der Polizeistation seinen Joint raucht. Aber ich stimme zu, daß Prügelorgien an sex. Minderheiten unerträglich sind. Aber diese Gewaltausbrüche kommen oft vor und meistens sind nicht Homosexuelle die Opfer.
6. Natürlich ist JA eine homophobe Gesellschaft. Dafür gibt es verschiedenste (kulturelle) Gründe, welche allerdings von LSVD etc. ignoriert oder geleugnet werden.
Z.B. war anale Vergewaltigung und Folter eine der unsäglichen Barbareien der weisen Sklavenhalter. Die jam. Gesellschaft ist in Teilen noch immer zutiefst traumatisiert.
7. JA ist auch eine sehr gewaltätige Gesellschaft. Sie hat eine der höchsten/die höchste Mordrate der Welt (+/- 1500 jährlich bei 2,6 Mio. Einw). Nirgendwo werden von der Polizei bei “versuchten” Festnahmen soviele Menschen getötet wie in JA(220 jährlich). Auch wenn es zynisch klingt, sind Homosexuelle bei einem geschätzten Anteil von 5% an der Bevölkerung mit 30 Ermordeten (jeder einzelne ist einer zuviel, wenn er aufgrund seiner Sexualität Opfer wurde) in den letzten acht (?) Jahren weit unterrepäsentiert. Wobei nicht bewiesen ist, daß er deswegen ermordet wurde oder es sich um eine Beziehungstat oder sonstige “übliche” Gewaltverbrechen handelt.
8. Laut einer Umfrage würden 70% der Bev. das Land gerne verlassen (Armut, Chancenlosigeit, Gewalt, Korruption, hemmungslose Selbstbereicherung der Eliten). Obwohl in JA teilw. bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, ist der einzige anerkannte Asylgrund “verfolgte sex. Minderheit”. Und das macht in JA die Runde.
Diese Info habe ich von ausreisewilligen Jamaikanern.
9. Patois ist eine sehr komplexe von Nicht jamaikanern vorerst kaum verständliche Sprache. Auch ist sie sehr direkt, mitunter derb bis anstößig und häufig nicht wörtlich zu übersetzen. “Bun” entspricht oft nicht dem “burn”, “kill” nicht “kill” etc. Ein “battyman” oder “chi-chi-man” ist nicht unbedingt ein Homosexueller. Es kann auch eine unbeliebte/gehaßte Person sein. Ich kann z.B von mir sagen: mi bun Bush, di Pentagon an`Washington. Mi bun politriks, Baylon, Soddom an`gomorah straight, seen. Chree (Three) times a day, all a dem. Verstanden? Ich mißbillige, ich verachte. Aber ich rufe nicht zu Gewalt auf.
Der allergrößte Teil der Dancehallfans hierzulande hat wohl erst über die Medien erfahren wovon die jam. DJs angeblich singen.
10. Schließlich sind nach meinen Erfahrungen diese Anti-Hass-/Anti-Dancehall- Kampagnen selbst hasserfüllt. Es geht um Rache und Vergeltung. Erzwungene Entschuldigungen werden nicht akzepiert. Glauben sie im Ernst, daß man so Aufklärungsarbeit leistet, Vorurteile beseitigt? Durch fehlende Toleranz und mangelndes Verständnis der Geschichte des anderen (welche LSVD etc. ja für sich einfordert). Nein man gießt Benzin in`s Feuer. Sie bringen mehr Leute gegen sich auf - hier und dort- als sie für ihre Sache gewinnen. Bounty vermittelt seine Abneigung seiner Kultur und seinem pychosozialem Hintergrund entsprechend… Und wurde/wird dabei zu oft fehlinterpretiert, absichtlich oder nicht.
11. Leider gibt es in JA noch wesentlich umfassendere Menschenrechtsverletzungen. Weiß eigentlich der Menschenrechtsverterter der Grünen Volker Beck davon? Er missbraucht wohl seine Macht weil er im Machtzentrum an den Hebeln sitzt (Erwirkung eines Einreiseverbotes trotz erteilten Visums).
Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen, Seitz
02/04/2008 um 7:52 Uhr nachmittags
Noch eine Ergänzung:
Ein typisches Mythos:Homosexualität ist strafbar und wird mit Haft und Arbeitslager bestraft.
Falsch: Homosexualität steht nicht unter Strafe, sondern der anale GV (egal opb Mann-Mann, Frau-Frau, Frau-Mann, Mensch-Tier, Mensch-Toter). Arbeitslager in diesem Sinne gibt es schon lange nicht mehr. Nach Auskunft einer Richterin (entfernte Familienangehörige) wird von diesem Gesetz wohl nur bei sehr anstössigem Verhalten Gebrauch gemacht. Wenn überhaupt kommt es wohl nur zu Geld oder Bewährungsstrafen.
Zudem ist ja auch die Beweisführung sehr schwierig. Wo kein Kläger, da kein Richter.
Viele Grüße, Seitz
05/04/2008 um 8:28 Uhr nachmittags
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