Der Wert der Raucher

Allenthalben wird zurzeit Jagd auf Raucher gemacht. Dabei sind weder die Raucher schädlich (oder gar Schädlinge), noch ist es das Rauchen, sondern allein der Rauch macht dem ein oder anderen gesundheitlich zu schaffen. Und in Nordrhein-Westfalen, der hochmögende Landtag in Dusseldorf hat es so beschlossen, ist dieser Rauch erst ab dem 01.07.2008 schädlich. Während der Karnevalszeit und bei den im Westfälischen so beliebten Schützenfesten ist er generell unschädlich.

Raucherjäger sind zu einer lückenlosen Fernsehüberwachung übergegangen und verfolgen jeden Raucher. Selbst Loki und Smoki wurden auf diese Weise auf frische Tat ertappt. Da es nach wie vor unmöglich erscheint, das Rauch durch Kabel oder kabellos in unsere Wohnzimmer (nein, ich lasse eher einen Raucher als ein Fernsehgerät in mein Schlafzimmer) übertragen wird, ist nicht schwer zu erraten, was manche Gesundheitsapostel wirklich wollen. Es geht ihnen nicht darum, vor mehr oder weniger schädlichem Rauch geschützt zu werden, sie wollen einfach nur Jagd auf Menschen machen. Einfach nur andere an den Pranger stellen. Wer ist als nächstes dran? Whiskytrinker? Biertrinker? LKW-Fahrer? Kontoüberzieher? Oder vielleicht die Ungesunde-Lebensmittel-Käufer? Rote, gelbe und grüne Punkte lassen grüssen.

Zurück zu den Rauchern. Es wird immer und überall herumgeplärrt, wie sehr die Raucher durch Krankheitskosten unser Gesundheitswesen (das uns übrigens alle mehr oder weniger krank macht) belasten. Es ist schon erstaunlich, wie sehr die Damen und Herren Gesundheitspolitiker ihr klägliches Versagen (Gesundheitsreform = ein Witz!) immer wieder anderen in die Schuhe schieben wollen. Als würde es in den Kassen der Krankenkassen anders aussehen, wenn niemand rauchen würde. Im Gegenteil! Die Welt berichtet vor ein paar Tagen über eine amerikanische Studie:

Gesunde, schlanke Menschen haben der Erhebung zufolge eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84 Jahren. Raucher kommen auf rund 77 Jahre, Übergewichtige auf etwa 80 Jahre. Beide Gruppen neigten stärker zu Herzkrankheiten als die „gesunde” Vergleichsgruppe. Krebserkrankungen traten - abgesehen von Lungenkrebs - bei allen Dreien gleich häufig auf. Diabetes wurde am häufigsten bei den Übergewichtigen festgestellt, die „Gesunden” hatten die meisten Schlaganfälle. Letztendlich fielen für die gesunde, schlanke Gruppe Behandlungskosten von rund 417.000 Dollar (281.000 Euro) ab einem Alter von 20 Jahren an. Bei den Übergewichtigen wurde ein Betrag von 371.000 Dollar (250.000 Euro) ermittelt, bei Rauchern nur rund 326.000 Dollar (220.000 Euro).

5 Antworten zu “Der Wert der Raucher”

  1. Michael sagt:

    Raucher mögen den Staat nach dieser Studie “billiger kommen”, das disqualifiziert aber nicht das Nichtrauchen und den Nichtraucherschutz an sich. Es ist nämlich nicht möglich, den Wert von Gesundheit in Geld zu bemessen und man kann bspw. auch keinem Diabetiker, der dem Gesundheitssystem aufgrund seiner Therapie z. T. exorbitante Kosten verursacht, aus sozial-wirtschaftlichen Gründen raten, doch endlich zu sterben. Noch sollte man den Rauchern aus Dank, weil sie das Gesundheitssystem “entlasten”, gewähren, Nichtraucher zu gefährden und zu beeinträchtigen. Das Ganze sollte man dann doch etwas differenzierter betrachten.

    Dass Nichtraucherschutz an sich notwendig ist, streitet aber hoffentlich niemand ab. Lediglich über das Ausmaß dieses Schutzes ist man sich bisweilen unklar.

  2. TheGayDissenter sagt:

    Oh, immerhin hat ein Mitglied des CDU-Bundesvorstands vor noch gar nicht allzu langer Zeit zwar nicht die Frage nach dem Wert von Gesundheit, wohl aber die Frage nach dem Wert des Menschen schlechthin ins Spiel gebracht.

    http://www.welt.de/print-welt/article251810/Ruecktrittsforderungen_gegen_Missfelder.html

    (Nur der Klarheit halber: Von mir hätte Herr Mißfelder für diesen geistlosen Schwachsinn einen schwungvollen Tritt vor’s Schienbein bekommen, mit dem bemerken, dass er die daraus resultierenden Behandlungskosten aus eigener Tasche zu zahlen hat.)

    Ich halte die in der Studie genannten Zahlen (der mir unverdrossen zugetane Leser weiß, was ich von Studien im Allgemeinen halte) für kaum belastbar. Gleichwohl wäre es nicht uninteressant, einmal festzustellen, was ein Raucher ‘kostet’ (Einnahmen aus Tabaksteuern wären gegenzurechnen) im Vergleich zu einem ach so gesund lebenden Menschen. Im Grunde halte ich nichts von dieser Aufrechnerei, sie ist müßig; aber es sind gerade die Nichtraucher, die Gerne das Kostenargument (es ist ein schwaches Argument, die Studie liefert einen ersten Anhalt - mehr nicht - dafür) gegen Raucher verwenden. Und während sie so vor sich hinlamentieren stopfen sie allerlei ungesundes Zeug in sich hinein.

    Das Dilemma um den Nichtraucherschutz und die daraus erwachsende fragwürdige Diskussion und die noch fragwürdigeren gesetzlichen Regelungen (zB in Nordrhein-Westfalen) habe wir übrigens so gut wie ausschließlich den Nichtrauchern (ich bin auch einer) zu verdanken.

    Hätten die Nichtraucher konsequent Einrichtungen, in denen geraucht wird (Gaststätten, Diskos, usw) nicht mehr aufgesucht, hätten sich die Betreiber der Einrichtungen sehr schnell überlegt, ob sie nicht auf ein ‘rauchfreies’ Angebot umstellen. Aber die Nichtraucher sind, in der Regel ohne Not, hingegangen, haben sich zuqualmen lassen und hinterher über die Raucher gemeckert und nach dem Gesetzgeber gerufen.

  3. Michael sagt:

    Es mag wohl stimmen, dass sich Nichtraucher auch mit ungesunden Nahrungsmitteln vollstopfen (Alkohol, Fastfood, etc.), aber jeder Mensch sollte selbst frei entscheiden, wie und in welchem Ausmaß er sich schädigt. Das Argument „Du trinkst ja, also darf es dir auch nichts ausmachen, etwas Qualm zu schlucken“ ist sehr wackelig. Denn der Umkehrschluss wäre, dass Raucher es auch zu billigen haben, wenn man ihnen ein Glas Wein hinter die Binde gießt. Gesundheitlich vorbelastete Menschen sind heute dazu verdammt, kilometerweit in eine rauchfreie Gaststätte zu pilgern (sei es, weil sie dort arbeiten oder einfach nur auswärts essen möchten), weil sie es sich anders nicht zumuten können.

    „Hätten die Nichtraucher konsequent Einrichtungen, in denen geraucht wird (Gaststätten, Diskos, usw) nicht mehr aufgesucht, hätten sich die Betreiber der Einrichtungen sehr schnell überlegt, ob sie nicht auf ein ‘rauchfreies’ Angebot umstellen.“

    Hier und da ein Nichtraucher, der aus Protest die Raucherlokale meidet, fällt ja nicht weiter auf. Man müsste schon Massen bewegen, um ein „Zeichen“ zu setzen. Und ob das gelungen wäre? Also ich weiß nicht recht… :-) Nichtsdestotrotz ist eine Problemlösung aus der Gesellschaft heraus immer sympathischer, als eine gesetzliche Regelung, da gebe ich Dir natürlich Recht.

  4. TheGayDissenter sagt:

    Michael, Du hast zweifelos bemerkt, dass ich im Post und meinen Repliken überspitzt habe. Jeder soll selbst entscheiden können, wie gesund oder ungesund er lebt (oder zumindest darf jeder glauben, dass eine bestimmte Lebensweise gesund sei). Allerdings lasse ich die Nichtraucher nicht so einfach davon kommen. Wer freiwillig, ohne Not, sich in Räume begibt, von denen er weiß, dass dort geraucht wird, darf sich hinterher nicht darüber beschweren, dass dort geraucht wurde. Und da viele Nichtraucher bisher, wiederum freiwillig und ohne Not, Raucher und Rauch ‘ertragen’ haben, kann die Sorge um die eigene Gesundheit nicht allzu groß gewesen sein.

    Lächerlich finde ich die Art der Umsetzung des Nichtraucherschutzes. Da lobe ich mir die Vorgehensweise in England. Nachdem man sich dort nach ausgiebiger und ergiebiger Debatte zu einer gesetzlichen Regelung durchgerungen hatte, konnte man eine durchdachte und konsequente Regelung präsentieren. Ich halte die dortige Regelung nicht für gut, aber es ist nicht so ein albernes Hü und Hott wir hier bei uns.

  5. Michael sagt:

    Irgendwo ist das für mich verständlich, da lange Zeit ist nichts passiert ist bzgl. des Nichtraucherschutzes. Die Menschen resignierten, weil ihr „Protest“ (= als Nichtraucher „Raucherlokale“ generell zu meiden; wie Sie oben angesprochen haben) wegen der geringen Teilnehmerzahl nie fruchtete. Da niemand scharf auf eine lebenslange Kaffeehaus/Wirtshausabstinenz ist, besuchen viele Nichtraucher auch weiterhin Lokale, in denen geraucht wird, sicher oft auch aus falscher Loyalität den rauchenden Kollegen und Freunden gegenüber. Obwohl ihnen rauchfreie Lokale eigentlich lieber wären. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Nichtraucher in dieser Debatte eine Teilschuld tragen, weil es doppelmoralisch ist, einerseits gegen das Rauchen in Lokalen zu wettern und sich andererseits fügig zum qualmenden Freund an den Tisch zu setzen. Da müsste man vielleicht einfach konsequenter sein.

Eine Antwort hinterlassen