Die große Orgel von Franz Breil aus Dorsten in der Sankt Urbanus Propsteikirche zu Gelsenkirchen-Buer

Die Propsteigemeinde Sankt Urbanus ist die mitgliederstärkste römisch-katholische Kirchengemeinde in Deutschland. Mit rund 41000 Pfarrangehörigen ist sie zahlenmäßig größer als zum Beispiel das Bistum Görlitz oder das Erzbistum Vaduz.
Der Buerer Siegelstreit ließ im vergangenen Jahr die alten Wunden der vor mehr als achtzig Jahren nach Gelsenkirchen eingemeindeten Bueraner wieder aufbrechen.
In der Hauptkirche Sankt Urbanus steht eine der klangschönsten Orgeln, die ich kenne. Gustav K Ommer schreibt über diese Orgel:
So eigenwillig wie schlicht das strenge quadratische Gehäuse wirkt, läßt es die Größe und Vielseitigkeit der Orgel kaum vermuten. Der klaren, ja kühlen Gliederung steht jedoch ein sehr differenziertes, mit vielen Farbnuancen und Klangfacetten ausgestattetes Werk gegenüber.
Ein Viertel aller Stimmen sind Zungenregister, hinzu kommen zwei zerlegte Kornette und ein 5fach gebundenes Kornett, die für kräftige Klangverbindungen sorgen. Schließlich vermag eine Septime (ein unharmonisches Obertongregister) die Klänge glocken- und glasartig zu reizvollen Mischungen zu verfremden.
Neben dem eigentlichen Schwellwerk ist auch das Rückpositiv, bis auf Praestant 4′, schwellbar. (Orgeln im Ruhrgebiet, Duisburg 1984)
Die Orgel wurde 1972 von dem Dorstener Orgelbauer Franz Breil errichtet. Sie hat 50 Register auf Hauptwerk, Schwellwerk, Rückpositiv und Pedal mit mechanischer Spieltraktur, elektrischer Registertraktur und elektrischen Koppelhilfen. Die Dispostition stammt von Bernhard Ader und Franz Breil. Neben einer 7/15′ Septime ist als Besonderheit der doppelt ausgeführte 8′ Hauptwerkprinzipal zu erwähnen, der sich durch eine besondere Tragfähigkeit auszeichnet.
Hier gibt es ein Klangbeispiel (Leon Böllmann: Deuxième Suite Final - Marche; Burkhard Samosny an der Breil-Orgel).
Bis 1978 war Alfred Maria Berghorn Organist an dieser Orgel. 2002 wurde in der Urbanuskirche eine CD mit Werken von Berghorn eingespielt.
Disposition
Hauptwerk Manual II C-a‘‘‘
Gedackt 16‘
Prinzipal 8‘(ab f doppelt)
Gedackt 8´
Trichtergambe 8‘
Oktave 4‘
Gemshorn 4‘
Oktave 2‘
Cornett 5fach 8‘ (ab f)
Mixtur 5fach 2‘
Zimbel 3fach 1/2‘
Trompete 16‘
Trompete 8‘
Rückpositiv Manual I C-a‘‘‘
im Schweller bis auf Praestant 4‘, der im Prospekt steht
Rohrgedackt 8‘
Quintade 8‘
Praestant 4‘
Koppelflöte 4‘
Oktave 2‘
Schweizergedackt 2‘
Quinte 1-1/3‘
Sesquialtera 2fach
Scharff 5fach 1‘
Dulzian 16‘
Krummhorn 8‘
Tremulant
Schwellwerk Manual III C-a‘‘‘
Holzflöte 8‘
Weidenpfeife 8‘
Schwebung 8‘ (ab c)
Prinzipal 4‘
Traversflöte 4‘
Nasat 2-2/3‘
Gemshorn 2‘
Terz 1-3/5‘
Septime 8/ 15‘
Zimbel lfach 1‘
Mixtur 5fach 2‘
Basson 16‘
Franz. Trompete 8‘
Rohrschalmey 8‘
Clairon 4‘
Tremulant
Pedalwerk C-g‘
Prinzipal 16‘
Subbass 16‘
Quintbass 10-2/3‘
Oktavbass 8‘
Gedacktbass 8‘
Nachthorn 4‘
Piffaro 2fach 4‘+ 2‘
Hintersatz 5fach 2-2/3‘
Bombarde 32‘
Posaune 16‘
Trompete 8‘
Clairon 4‘
Mechanische Traktur
Elektrische Registratur
Spielhilfen:
8 Setzerkombinationen, Pleno (korrespondierend durch Handschalter und Piston), Koppeln: I/II - III/II - Ped/I - Ped/II - Ped/III, Tremulanten für Schwellwerk und Rückpostiv - Im Schweller: Rückpositiv Manual I und Manual III
Die Orgelbaufirma Breil - nach dem zweiten Weltkrieg durch die Rückkehr zum Bau von Schleifladenorgeln mit mechanischen Spieltrakturen wegweisend für den westdeutschen Orgelbau - hat durch mancherlei Ungeschicklichkeiten ihren Ruf als herausragender Orgelbauer verspielt und muss sich heute mit Wartungsaufträgen begnügen. Nur noch selten kann sie kleinere Neubauten ihrer Opusliste hinzufügen. Ihre großen Nachkriegsneubauten in den Domkirchen von Hildenheim und Osnabrück sind zwischenzeitlich (durch Klais in Hildesheim) zur Unkenntlichkeit verstümmelt oder durch andere Instrumente ersetzt worden. Allein in der Bochumer Propsteikirche ist noch eine der großen Breilorgeln aus den fünfziger Jahren erhalten. Ihre, für den deutschen Orgelbau ebenfall wegweisenden, vollständig ausgeführten Spanischen Trompeten in drei Fußlagen zeugen vom Wagemut des Orgelbauers.