Epidemiologisches Bulletin Nr 47
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat zum Welt-AIDS-Tag ein Epidemiologisches Bulletin heraus gegeben und ich habe, im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen, fast nichts zu beanstanden. Im Gegenteil, das RKI bietet dieses Mal einen erhellenden Überblick zu Thema.
So ist zu lesen, dass 20 % der HIV-Übertragungen (in Deutschland) durch heterosexuelle Kontakt stattfinden. Und 20 %, diese Zahl wird in den Medien gerne verschwiegen, ist keine Größe, die verniedlicht werden darf, wie dass manchmal geschieht. Oder diese wichtige Klarstellung:
Die jeweils angegenen Zahlenwerte können daher nicht direkt mit früher publizierten Schätzungen verglichen werden. Insbesondere können Veränderungen in den Eckdaten zwischen 2006 und 2007 nicht als Zu- oder Abnahmen interpretiert werden.
Damit ist vielen Schlagzeilen der letzten Tage (”HIV auf dem Vormarsch“, “AIDS kehrt mit Macht zurück“) die Grundlage entzogen. Die durch die Medien herbeigeführte Desinformation indes bleibt.
Hilfreich ist auch der Länderüberblick, insbesondere wenn es mal wieder heißt, AIDS sei nur eine Schwulenkrankheit.
Nicht so gut gefällt mir, dass auch die WZB-Studie “Wie leben schwule Männer heute” abgedruckt wurde, enthält diese doch einige Fragwürdigkeiten.
Eine relativ gute Nachricht ist es, dass das RKI zu der vorsichtigen Einschätzung kommt, dass es
sehr wahrscheinlich [ist], dass durch eine effektive ART (= Viruslast im Plasma unter der Nachweisgrenze) die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit (auf Bevölkerungsebene!!) deutlich gesenkt wird. Der Einsatz der HIV-Therapie trägt wahrscheinlich erheblich zu einer Senkung der HIV-Inzidenz in einer Population bei.
01/12/2007 um 7:49 Uhr nachmittags
ich nutze die rki-infos immer gerne - manchmal muss man (wie bei wohl jeder quelle) einen kritischen blick haben, aber viele daten, die die ein oder andere debatte arg versachlichen helfen …
03/12/2007 um 9:42 Uhr vormittags
Ich bin in der AH-Hilfe Arbeit tätig und denke mir, dass zu wenig bekannt ist, dass das RKI in den letzten Jahren mehrmals (mir bekannt 6mal) die Datenerhebungspraxis geändert hat. Somit entstand immer wieder ein falscher Eindruck im Vergleich zu den Vordaten. (Dies wurde auch schon mehrmals von der DAH und anderen Organisationen beim RKI reklamiert)
Auch wird nicht berücksichtigt, wenn Bewerbungsaktion z.B. für den Test liefen. Ich selbst halte nichts davon, die Bulletins des RKI zu diesem Thema unkommentiert und unerklärt an die allgem. Bevölkerung weiter zu geben. Um diese Statistiken zu lesen gehört schon mehr Hintergrundwissen.