1. Verschlafen 2. Sie behindern die Weiterfahrt dieses Zuges 3. Wie sind Sie versichert? 4. Bus fahrende Fahrradfahrer

Was ein blöder Tag.

Erst habe ich verpennt, musste mich beim Zähneputzen anziehen, oder umgekehrt. Hab’ im Dunkeln nicht gefunden was ich suchte (wollte kein Licht anmachen, um meinen bf nicht zu stören), bin deshalb heute etwas, naja, merkwürdig angezogen. Ok, den Bus habe ich gerade noch gekriegt.

Dann ging’s in der Bahn weiter. Das heißt, eigentlich ging es nicht weiter. Denn: “Sie behindern die Weiterfahrt dieses Zuges!”, grunzte der Triebfahrzeugführer mit ziemlich versoffener Stimme ins Mikro. Er meinte nicht mich. Auf meiner morgendlichen Bahnstrecke (KBS 459) setzt die DB AG Talent-Triebfahrzeuge der Baureihe 644 ein. Diese Züge zeichnen sich nicht nur durch nahezu tägliche Fahrzeugstörungen aus, sondern auch dadurch, dass die Türen mit hochempfindlichen Lichtschranken ausgestattet sind. Man muss eigentlich nur daran denken, sich in der Nähe einer Tür aufzuhalten, und schon schließen die Dinger nicht mehr. Auch wenn zB eine Ameise ein- oder aussteigen will, bleibt die Tür offen stehen. Die Ameise freut sich. Da bei der DB AG bekanntlich die allergrößten Experten tätig sind (im Planungsbereich meine ich - im Betriebsdienst sind die Jungs und Mädels bemüht, den Laden einigermaßen am Laufen zu halten, die meisten jedenfalls, mein Triebfahrzeugführer ist eine Ausnahme), hat man im Eingangsbereich, also unmittelbar neben den Türen, Klappsitze angebracht. Trotz der täglichen Bahnkrise ist mein morgendlicher Zug immer überfüllt. Und jeden Morgen spielt sich ein Türen-Drama ab. Die meisten Triebfahrzeugführer kriegen die Sache mit dem freundlichen Hinweis, man möge etwas weiter in das Fahrzeug hineingehen, Einkaufs- und Aktentaschen oder Hunde aus der Leichtschranke nehmen, in den Griff. Nicht so heute morgen. “Sie behindern die Weiterfahrt dieses Zuges!” Drei- oder viermal brüllte der Typ diesen Spruch ins Mikro. Dann erst verriet er uns, was er eigentlich meinte. Es hätte ja auch sonst was sein können, zum Beispiel jemand der vor dem Zug sitzt oder liegt oder jemand, der in den Tank pinkelt. Nee, ist das nervend. Die Leute sind morgens eh schon alle schlecht gelaunt ob der überfüllten, verspäteten Züge, die mal Kühlhaustemperatur, mal Gewächshaustemperatur haben, und dann noch so ein Heini vorne im Zug. Wenn der streikt, ist das eine Wohltat.

So, dann im Büro angekommen entschloss ich mich, mir wegen eines kleinen Wehwehchens einen Termin beim Hautarzt geben zu lassen. Einen gewissen Dr Johannes Gutwald in Köln hatte ich mir ausgesucht (wird auf einschlägigen Seiten empfohlen). Der Anruf in der Praxis war schon abschreckend. Die unfreundlich Dame gab mir durch ihren Tonfall sofort zu verstehen, dass es unverschämt sei, bereits um 11 Uhr morgens anzurufen. Als ich um einen Termin bat, grummelte sie irgend etwas, was wohl bedeuten sollte, dass ich das für die nächsten Wochen mal vergessen solle, dann kam erstmal die Grundsatzfrage: “Wie sind sie versichert?”. Als ich meinte, dass ich Privatpatient sei, hatte sie plötzlich für 16:50 Uhr einen Termin frei und wollte von mir alles Mögliche, Name, Anschrift, Arbeitgeber, usw, wissen. Um 16:45 Uhr traf ich in der Praxis am Alter Markt ein. Drei mies dreinblickende, gelangweilt Löcher in die Luft guckende ‘Damen’ hinter dem Empfangstresen empfingen mich. Das heißt, genau genommen namen sie mich nicht in Empfang, denn ich musste schon deutlich auf meine Anwesenheit aufmerksam machen. Auf einem Formular musste ich all’ das eintragen, was ich der Dame am Vormittag schon am Telefon erzählt hatte. Offenbar war sie zu müde gewesen, sich irgend etwas zu notieren. Anschließend wurde mir ein Platz angewiesen. Die nächsten 45 Minuten waren recht langweilig. Empfangsbereich und Wartebereich sind so kombiniert, dass man wirklich alles mitbekommt, was sich in der Praxis abspielt. Es spielte sich aber nicht viel ab. Die drei ‘Damen’ warteten darauf, dass niemand kam. Eine vierte Arzthelferin schlenderte von Zeit zu Zeit durch die Räume, und machte dabei ein Gesicht, das Merkel und Müntefering an ihren besten Tagen nicht zustande bringen. Der Herr Doktor ließ sich von Zeit zu Zeit auch blicken, weil er irgend etwas suchte, und ließ dabei durchblicken, dass er das allgemeine Arbeitstempo in der Praxis vorgibt. Nach 45 Minuten Langeweile, Hetenzeitschriften reizen mich nun mal überhaupt nicht, bin ich gegangen. 

Die DB überraschte mit einer pünktlichen Abfahrt des Zuges in Köln, schaffte es aber problemlos, mein Dorf mit sechs Minuten Verspätung zu erreichen. Eilends eilte ich zum Bus, der, diesmal zum Glück, ebenfalls verspätet war. Und dann stellte ich mir eine der Fragen, auf die ich wohl nie eine Antwort finde. Warum macht ein Fahrradfahrer mit seinem Fahrrad in einem Linienbus? Ich meine, im Bus kann er doch eh nicht Fahrrad fahren. Und wenn er nicht Fahrrad fahren kann, braucht er sein Fahrrad nicht in den Bus mitzunehmen. Wenn er aber Fahrrad fahren will, soll er das auf seinem Fahrrad tun, und den Bus den Busfahrern überlassen. OK, ich bin ein toleranter Mensch und toleriere(,) nicht Fahrrad fahrende Fahrradfahrer in ‘meinem’ Bus. Aber nicht, wenn die nicht Fahrrad fahrenden Fahrradfahrer im Bus mir mit einem Fahrrad ihres Fahrrades über den Fuß fahren! Dann ist Schluss! Aber hallo! So geht’s ja nun wirklich nicht! Soll der Fahrradfahrer doch mit seinem Fahrrad auf dem für viel Geld extra angelegten Fahrradweg weg fahren, aber er soll nicht ohne Fahrrad zu fahren mit seinem Fahrrad in meinem fahrenden Bus über meinen Fuß fahren. Also habe ich mich erstmal gehörig aufgeregt über das Fahrrad nebst dem nicht damit Fahrrad fahrenden Fahrradfahrer. Und was macht der Typ? Statt sich zu entschuldigen, meint er zu mir: “Stell’ Dich mal nicht so schwul an!” Ich dachte, ich höre nicht richtig! Hätten nicht meine Aktentasche, das Fahrrad und mein im allgemeinen gutes Benehmen mich von diesem nicht Fahrrad fahrenden Fahrradfahrer getrennt, hätte der sich ein paar gefangen. Die kurze, aber herzliche, verbale Auseinandersetzung hat der Typ haushoch verloren. Ich mag es überhaupt nicht, wenn nicht Fahrrad fahrende Fahrradfahrer, die Aussehen und sprechen wie Stefan Raab, mich duzen. Das heißt, eigentlich hat das nichts mit Fahrrad fahrenden Fahrradfahrern oder nicht Fahrrad fahrenden Fahrradfahrern zu tun, es war wohl nur, weil dieser Typ wie Stefan Raab aussah und sprach. Bäääh! Da geht bei mir die Notbeleuchtung an! Und dann noch dieser blöde Spruch “stell’ Dich mal nicht so schwul an”. Ich weiß gar nicht, wie ich mich schwul anstellten sollte. Kann man sich überhaupt schwul anstellen? Ich musste sofort - für die Rheinländer: direkt - an René’s Ausführungen denken. Wie auch immer, dem Typen ist es nicht gut bekommen und er wird zukünftig mit seinem Fahrrad und seinen blöden Sprüchen sehr vorsichtig sein, wenn ich mit ihm im selben Bus bin. Wahrscheinlich wird er demnächst das Fahrradfahren auf seinem Fahrrad dem Busfahren mit seinem Fahrrad vorziehen. Und, hehehe, durch das kleine Techtelmechtel hat er seine Bushaltestelle verpasst. Dass war eh unglaublich. Er wollte nur zwei Haltestellen weit nicht auf seinem Fahrrad, sondern mit seinem Fahrrad im Bus fahren. Hätte er da nicht seinen Hintern auf sein Fahrrad schwingen können und die paar Meter mit dem Fahrrad auf dem extra für viel Geld angelegten Fahrradweg, ich erwähnte ihn bereits, fahren können? Nein, der Fahrradfahrer musste sein Fahrrad in den Bus schwingen, um dann mit dem Fahrrad im Bus und mir über den Fuß (zu) fahren. Unglaublich! Aber, hahaha, jetzt musste er eine Haltestelle weiter fahren und mit dem Fahrrad zurück zur zurückliegenden Haltestelle fahren. Aber zum Fahrradfahren sind Fahrräder schließlich da!

Nein, ich hab’ nix gegen Fahrradfahrer und ihre Fahrräder, ich kann nur Stefan Raab nicht leiden. 

2 Antworten zu “1. Verschlafen 2. Sie behindern die Weiterfahrt dieses Zuges 3. Wie sind Sie versichert? 4. Bus fahrende Fahrradfahrer”

  1. koww sagt:

    Hätte da ne Bitte an Dich: Gehe abends früher ins Bett (zum schlafen), stell den Wecker ein paar Minuten früher, stehe direkt auf, mach dich in Ruhe fertig (duschen, Zähne putzen, anziehen und so), frühstücke in Ruhe und denk dir für den Tag ein lustiges Motto aus. Solltest Du dennoch mal verschlafen, nimm dir Zeit und komme lieber zu spät zur Arbeit oder verpass einen Termin, denn so wie du gestern drauf warst bist du nicht zu geniesen. ;-)

    Bin ein ständiger Leser Deines Blogg’s und teile sehr oft Deine Meinung, aber wie du gestern drauf warst…….., mit mir hättest du dich da auch anlegen können.

    apropos: Stefan Raab, hättest Du diesen “Kotzbrocken” doch lieber gestern getroffen

  2. quickes wohnzimmer » Heul ned und geh’ zum Arzt! sagt:

    [...] hab keinen Bock ewig auf ‘nen Termin zu warten. Da wäre es doch sinnvoll, wenn man wie der Stefan Privatpatient wäre. Freiwillig gesetzlich ist halt auch zweite Klasse. BKK gleich AOK gleich DAK [...]

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