Christlicher Boykott und andere Maßnahmen gegen Schwule

Eins der Plakate zum diesjährigen Folsom Street Fair in San Franciso hat die (erz-)konservative Christenheit (und nur um die geht es hier) erschaudern lassen und zu einem Boykottaufruf gegen die den Fair unterstützende Miller Brewing Company geführt. Hinter diesem Boykottaufruf stehen Gruppierungen wie die Catholic League oder die Concerned Women for America.

Schaut man sich die Websites dieser Gruppierungen an, drängt sich der Eindruck auf, als seinen diese Vereinigungen mit nichts Anderem beschäftigt, als schwulenfeindliche Propaganda zu betreiben. Was ist das nur für ein angreifbarer und schwacher Glaube, der von ein paar offen schwul lebenden Menschen, die etwa 3 vH der Weltbevölkerung ausmachen, so erschüttert und in Bedrängnis gebracht werden kann?

Boykottaufrufe haben eine gewissen Tradition bei diesen konservativen Fundamentalchristen (der Ordnung halber sei hinzugefügt, dass auch Fanatiker anderer Glaubensrichtungen, erinnert sei an den Karikaturenstreit, bei dem es nicht nur bei Boykottaufrufen geblieben ist, solche Methoden anwenden). Kaum ein amerikanischen Unternehmen, dem - so oder so - schwule Menschen etwas Wert sind, ist noch nicht Zielscheibe christlicher Diffamierungen geworden.

Der Autohersteller Ford gehört wohl zu den prominentesten Opfern christlicher Nächstenliebe. Die American Family Association, die die Treibjagt auf Ford anführt, zeigt in ihrem wütenden Kampf gegen alles Schwule schon pathologische Züge.

Doch wehe, wenn jemand, der ins Kreuzfeuer dieser Hardliner geraten ist, sich wehrt. Dann ist das Geschrei groß. Dann fühlt man sich gleich diskriminiert und ist bereit, sich als Märtyrer vor die Medien zu werfen:

On Sunday, the annual homosexual pride event known as “Outfest” will take place on the streets of Philadelphia. Three years ago, 11 Christians with Repent America were arrested and jailed for witnessing at the annual taxpayer-funded event. Since then, a federal lawsuit has been filed against the city of Philadelphia and Philly Pride Presents, Inc. — organizers of Outfest — for violation of civil rights.

U.S. District Court Judge Lawrence Stengel ruled for the defendants in a summary judgment earlier this year, claiming the police were allowed to discriminate against the Christians out of safety concerns. However, Repent America director Michael Marcavage says although they may be arrested, Christians will be at Outfest on Sunday.

Natürlich wird all der Hass nur verbreitet, um die Seelen der ach so verkommenen Schwulen zu retten:

Scripture does teach that we must obey God rather than men. And God has called us to be a light in the darkness of Outfest. And the Bible teaches, in Romans Chapter 10, “How will they hear without a preacher?” says Marcavage.

Marcavage says the Christians with Repent America do not have a message of hate. Instead, he says, the pro-family activists are motivated by God’s love to warn sinners of the judgment to come and to speak the truth, regardless of the consequences.

Nach Auffassung dieser Leute haben nur sie selber das Recht, ihre Meinung zu vertreten und sie sind furchbar empört, wenn Schwule einmal nicht dieses unseelige Geplärre hören wollen:

He stated that Judge Stengel’s decision is that “if you have a contrary message at an event, the police — in concert with the organizers — can exclude you because you have a contrary message.” 

Und weil man so sehr hasst, hat man Angst vor jedem Gesetz, dass Hassdelikte unter (besondere) Strafe stellt:

He also argues that the ruling is a forerunner of what would commonly occur should hate crimes legislation become law.

Entlarvend! Einfach entlarvend!

Dazu passt eine Anmerkung im neuesten stonewall-eBulletin. Morgen wird im Britischen Parlament über eine neues Gesetz debattiert, dass auch Hassverbrechen gegen Schwule als besonderen Straftatbestand beinhalten soll. Prompt kommt von christlicher Seite Gegenwehr:

Unsurprisingly, the Christian Institute and others have already started campaigning against the measure. It doesn’t surprise us that some people still think incitement of hatred against gay people is acceptable, even in 2007.

Einen bemerkenswerten Weg haben diese Leute sich ausgesucht, um Microsoft eins auszuwischen. Auf der letzten Jahrensversammlung der Microsoft-Aktionäre tauchte ein gewisser Thomas Strobhar ( president of an investment firm in Dayton, Ohio), ebenfalls einer erzchristlichen Hetzgruppierung zuzurechnen, auf und verlangte, folgendes zu beschließen:

The shareholders request that Microsoft form a committee to explore ways to formulate an equal employment opportunity policy which complies with all federal, state and local regulations but does not make reference to any matters related to sexual interests, activities or orientation.

Also: Gleichheit für alle, nur nicht für Schwule!

Seine Begründung lautet ua:

Whereas domestic partner benefits policies pay employees benefits based on the employee engaging in unmarried, homosexual relations, these relations have been condemned by the major traditions of Judaism, Christianity and Islam for a thousand years or more;

Whereas marriage between heterosexuals has been protected and encouraged by a wide range of societies, cultures and faiths for ages.

An Jahrhunderte alten Irrtümer muss schließlich festgehalten werden. Hinzulernen? Undenkbar!

Nicht nur Microsoft, sondern eine Vielzahl anderer us-amerikanischer Unternehmen wurde von diesem Hauptversammlungsschreck Strobhar und seinen Handlangern behelligt. Auf der Microsoft-Hauptversammlung hat sich das Management gegen Strobhar’s Ansinnen ausgesprochen und der Antrag wurde mit 97 vH der abgegebenen Stimmen abgelehnt.

Von einem weiteren Beispiel christlicher Nächstenliebe, ebenfalls aus den USA, berichtet alter.net:

Russian-speaking Christian fundamentalists, mostly immigrants from the former Soviet Union, have formed a ferocious anti-gay movement in the western U.S.

Der Schwule Santender Singh passte wohl nicht so recht in das Weltbild einiger christlicher Fundamentalisten. Deshalb wurde versucht, ihn zu bekehren:

According to multiple witnesses, the men began loudly harassing Singh and his friends, calling them “7-Eleven workers” and “Sodomites.” The Slavic men bragged about belonging to a Russian evangelical church and told Singh that he should go to a “good church” like theirs.

Als der Bekehrungsversuch nicht sofort zum gewünschten Erfolg führte, und, anders als im Iran oder Saudi-Arabien, nicht damit zu rechnen war, dass von staatlicher Seite die Ermordung des uneinsichtigen Santander Singh durchgeführt werden würde, erledigten die verblendet Hassenden selbst, was ihr Glaube von ihnen verlangte: 

One of the Slavic men then sucker-punched Singh in the head. He fell to the ground, unconscious and bleeding. The assailants drove off in a green sedan and red sports car, hurling bottles at Singh’s friends to prevent them from jotting down the license plate. Singh suffered a brain hemorrhage. By the next day, hospital tests confirmed that he was clinically brain dead. His family agreed to remove him from artificial life support July 5.

Nun könnte man meinen, dieser Mord würde die Damen und Herren Christen zum Nach- und Umdenken bewegen, aber nein, in den folgenden Monaten haben die dortigen Kirchenführer Anti-Gay-Proteste mit Tausenden von Teilnehmern organisiert. Hass verbindet. Homophobie verbindet!

Hier noch eine Ergänzung (10. Oktober 2007):

Muslims join Christian condemnation of gay protection law
 

4 Antworten zu “Christlicher Boykott und andere Maßnahmen gegen Schwule”

  1. CZimmer sagt:

    Die Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen… :(

  2. Und wieder ein christlicher Boykottaufruf « The Gay Dissenter sagt:

    [...] geht es nicht, wie sonst üblich, gegen Schwule, ihre Lebensweise und diejenigen, die sie unterstützen. Nein, diesmal geht es schlechthin gegen [...]

  3. Kinder in Gefahr! « The Gay Dissenter sagt:

    [...] den USA sind seit langem allerlei obskure Vereinigungen bekannt (vgl zB hier und hier), die sich zum Ziel gesetzt haben, ein angeblich christliches Weltbild zu verteidigen, und ein [...]

  4. Ford « The Gay Dissenter sagt:

    [...] einflussreiches us-amerikanisches evangelikales Clübchen, verkündete kürzlich, der zweijährige Boykott gegen den Autohersteller Ford werde nun beendet, weil Ford sich den Forderung (ua Verzicht auf [...]

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